



Singens Thai-Boxer machen bei der Landesmeisterschaft die Finals unter sich aus
Acht Kämpferinnen und Kämpfer des Thai-Box Club Singen nahmen in Heilbronn an der Baden-Württembergischen Meisterschaft im Thai-Boxen teil, und alle acht konnten sich problemlos für die Deutsche Meisterschaft in Herne (30./ 31. Mai) qualifizieren. Dort entscheidet sich dann, welche Athleten die Tickets zur Weltmeisterschaft bekommen, die vom 27. November bis 5. Dezember in Bangkok ausgetragen wird.
Gekämpft wurde in Turnierform nach IFMA-Reglement, das laut Vorschrift des Internationalen Olympischen Komitee eine komplette Schutzausrüstung vorschreibt, da die Kämpfer auf IFMA-Turnieren meist mehrmals am Tag in den Ring steigen müssen.
Diese Landesmeisterschaft mit über 100 Kämpferinnen und Kämpfer, war die größte, die es bisher in Baden-Württemberg geben hat, was für eine gute Aufbauarbeit spricht. Ralf Hasenohr hat nicht nur den Thai-Box Club Singen zu einem der erfolgreichsten Muay Thai Vereine Deutschlands gemacht, er wurde vor einigen Jahren auch zum Präsidenten des Baden-Württembergischen Landesverbandes gewählt und hat ihn systematisch zum größten Landesverband Deutschlands mit den meisten Kämpfern aufgebaut.
Dipl. Psychologe Daniel van Ackern (ehem. Lehrbeauftragter der Hochschule Darmstadt) führte übrigens während der Landesmeisterschaft (und auch im Vorfeld in verschiedenen Clubs) eine Studie für die Uni Heidelberg in Zusammenarbeit mit Leuten vom Olympiastützpunkt durch. Die Studie ist eine Wissenschaftliche Arbeit über die Wirksamkeit von Mentalen Trainingstechniken im Muay Thai Sport. Es wurden an Teilnehmer der Landesmeisterschaft verschiedene Messungen durchgeführt: Subjektiv empfundene somatische und kognitive Wettkampfangst per Fragebogen, den physiologischen Stress per Blutdruck und Puls, und den hormonellen Stressmarker Kortisol über den Speichel. Eine hochinteressante Studie, die noch einige Monate dauern wird. Die Werte müssen jetzt noch mit Werten an Nicht-Wettkampftagen verglichen werden.
Für die Landesmeisterschaft wurden die Leistungsklassen (A-, B-, C- Klasse) der Kämpfer berücksichtigt. Die Sportler mit dem höchsten Ranking wurden direkt ins Finale gesetzt und die Kämpfer mit der zweitbesten Bilanz der jeweiligen Gewichtklasse ins Halbfinale. Die C-Klasse Kämpfer mussten sich in den Vorkämpfen nach oben arbeiten. Dieses Verfahren, das eigentlich verhindern soll, dass C-Klasse Kämpfer bereits in den Vorrunden auf A-Kämpfer treffen (und wohl scheitern), führte für einige der Singener Athleten allerdings zu einem eher unbefriedigenden Turnierverlauf. Da sie aufgrund ihrer nationalen wie internationalen Erfolge in der A- oder B-Klasse rangieren, blieben ihnen nur Halbfinal- und Finalkämpfe, und die fielen zum Teil aus, weil sie gegen Vereinskameraden hätten antreten müssen.
Mohesen Moradian zum Beispiel war als A-Klasse Kämpfer und Ranglistenbester in der Klasse -60 kg ins Finale gesetzt, wo er gegen den Kämpfer mit der zweitbesten Bilanz der 60 kg Klasse, Alexander Epp hätte antreten müssen. Da Moradian und Epp jedoch Singener Vereinskameraden sind, entschied man sich für einen kampflosen Sieg für Moradian.
Ähnlich erging es den Singener Kämpfern Enrico Lauricella und Daniel Chahrour, die in der Gewichtsklasse -67 kg das Finale ebenfalls unter sich ausmachen mussten. Der Sieg ging kampflos an Chahrour, der zuvor seine Halbfinal-Begegnung klar nach Punkten für ich entschieden hatte.
Valdet Gashi, in der Gewichtsklasse -63,5 kg als Ranglistenbester ebenfalls schon fürs Finale gesetzt, durfte immerhin zum Kampf antreten - der dann aber nach ein paar Minuten schon zu Ende war. Sein Gegner trat zur zweiten Runde nicht mehr an.
Kampflose Final-Siege gab es zu dem für die Singener Junioren Jannis Bartikowsky (gegen seinen Vereinskameraden Valdrin Gashi) und seine Schwester Ina-Faye Bartikowsky.
Fazit von Trainer Ralf Hasenohr: Auf dem Papier erfreulich, da alle Sportler für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert sind. Doch ein paar Kämpfe mehr hätten es schon sein dürfen...